Historie
Wie alles begann - Eine kurze Geschichte des Landschulheims Marquartstein
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- Herman Harless - Schulgründer
Als Hermann Harless im Jahr 1928 sein privates Landerziehungsheim in Marquartstein gründete und mit 16 internen Schülerinnen und Schülern den Schulbetrieb aufnahm, hat er in wenigen Sätzen sein Ziel zusammengefasst: "Die Schule soll dem jungen Menschen dazu verhelfen, das Leben aus eigener Selbstbestimmung, in eigener Verantwortung und mit innerer Wahrhaftigkeit zu gestalten und für diese innere Freiheit unter allen Umständen geschlossen einzutreten.
Der Standort der Schule soll fern der verderblichen Einflüsse der Stadt in ländlicher Umgebung ein Zusammenleben in familienähnlichen Gruppen („Kameradschaften“) zwischen Erziehern und Schülern ermöglichen. Der Schüler soll sportliche Ertüchtigung und musische Erziehung erfahren, er soll sich üben in geistiger und handwerklicher Arbeit."

Schon bald nach der Gründung wurden auch Schüler aus der Umgebung aufgenommen. Der Raum auf der Burg, in der die Schule anfangs untergebracht war, wurde schnell so knapp, dass nach Ausweichmög-lichkeiten gesucht werden musste.
1933 wurde das Neue Schloss dazugekauft, das heute den Mittelpunkt der Schule bildet. Auch weitere Häuser wurden von der Schule teils angemietet, teils gekauft, z.B. das Kapellenhaus, der Nockerhof, das Gut Sossau, das Haus Schöneck und das Achenhaus, der Berghof und das Alte Laborhaus. Nur die vier Letztgenannten gehören heute noch zur Schule.
In der Zeit des Nationalsozialismus hat der Gründer und Leiter Harless mit geschicktem Taktieren lange versucht, sich gegen die drohende Verstaatlichung zu wehren, aber verhindern konnte er sie letztlich nicht. Er wurde von den nationalsozialistischen Machthabern als "politisch unzuverlässig" eingestuft. 1943 wurde die Schule verstaatlicht und Hermann Harless zwangsenteignet. Bis heute ist die Schule staatlich geblieben.
Neben ständig notwendigen Renovierungsarbeiten wurden auf dem Schulgelände in den letzten Jahrzehnten auch zahlreiche Neubauten errichtet: In den 50-er- und 60-er-Jahren kamen das Neue Laborhaus, das Schwimmbad (seit einigen Jahren außer Betrieb!), die Internatsgebäude Oberhaus und Unterhaus sowie das Wirtschaftsgebäude mit Festsaal, Speisesaal und Küche dazu. Vor etwas mehr als 15 Jahren wurden die neue Turnhalle an der Ache und der neue Klassenzimmertrakt beim Schloss errichtet. Vor zwei Jahren wurde der sechseckige Musikpavillon, der ebenfalls noch aus den 50-er-Jahren stammte, durch den Tagesheim-Neubau ersetzt.
Mit nunmehr etwas über 800 Schülern (davon ca. 110 Internatsschüler) und fast 90 Lehrern, Erziehern und Angestellten hat sich die Schule bis heute zu einem recht großen, stattlichen Betrieb gemausert. Nach wie vor bildet das Internat einen wesentlichen Kernbereich der Schule. Nicht zuletzt durch diese Einrichtung erhält das Landschulheim Marquartstein seinen so schwer zu beschreibenden Charme, seine natürliche, ungekünstelte pädagogische Weltoffenheit, seine nie nachlassende Lust und Neugier auf Neues.
1985 wurde das Tagesheim eingerichtet, seit 1988 sind wir im Skimodell Marquartstein (Partnerschule des Wintersports). Neben den zwei Ausbildungsrichtungen, dem sprachlichen und dem naturwissenschaftlich-technologischen Zweig, verfügt die Schule wie schon zu ihrer Gründungszeit über eigene Werkstätten, eine Schreinerei, eine Töpferei, eine Gärtnerei und eine Elektrowerkstatt.
Handwerksstätten an einem Gymnasium! Immer noch eine absolute Besonderheit in der bayerischen Schullandschaft! Diese Werkstätten werden von kompetenten Werkmeistern geleitet, unter deren Anleitung unsere Schüler einen Einblick in handwerkliche Tätigkeiten erhalten. Wir sind sehr froh, dass wir dieses Erbe aus der Gründungszeit der Schule bis heute erhalten konnten. Gerade auch dieser Werkstätten wegen ist unser Gymnasium auch heute noch etwas ganz Außergewöhnliches.
Zusätzlich zu diesem Werkunterricht bieten wir seit einigen Jahren geeigneten Schülerinnen und Schülern an, neben ihrer schulischen Ausbildung auch eine richtige handwerkliche Ausbildung im Schreinerhandwerk zu absolvieren, die dann mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer abgeschlossen wird. Ca. 15 Schülerinnen und Schüler nehmen derzeit - verteilt auf die Jahrgangsstufen acht bis zwölf - an diesem Pilotprojekt teil. Das Bayerische Kultusministerium hat der Schule die für den zusätzlichen Personal- und Sachaufwand nötigen Finanzmittel zur Verfügung gestellt. Die bereits seit langem bestehende Schreinerei wurde stark erweitert und mit professionellen Geräten ausgestattet.
Viel ist von Hermann Harless' pädagogischen Prinzipien auch heute - über 80 Jahre nach der Gründung, über 65 Jahre nach der Verstaatlichung der Schule - noch immer praktizierte Pädagogik am Staatlichen Landschulheim Marquartstein. Im Stundenplan unserer 5. Klassen ist die Teilnahme an einem Werkunterricht für zwei Stunden pro Woche fest eingeplant! Unsere Schüler und ihre Eltern sind begeistert davon! Die Prinzipien von Hermann Harless haben wir fast unverändert als unser pädagogisches Leitbild übernehmen können. Sie sind für uns alle - Lehrer wie Schüler - Ansporn, Richtschnur und Verpflichtung.

