Pilotprojekt Handwerk am Gymnasium
Seit dem Schuljahr 04/05 ermöglichen wir leistungsstarken und -willigen Schülerinnen und Schülern, neben ihrer schulischen Ausbildung eine richtige Lehrlingsausbildung, eine Schreinerlehre, zu absolvieren.
Entstehungsgeschichte
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- Schreinermeister Huber mit Schülerin
Dieses Angebot geht auf die Tradition unserer Schule zurück: Das Staatliche Landschulheim Marquartstein wurde im Jahr 1928 als private Internatsschule von dem Reformpädagogen Hermann Harless gegründet, der ein eigenes pädagogisches Konzept verfolgte, das den jungen Menschen dabei helfen sollte, ihr Leben zu gestalten:
· aus eigener Selbstbestimmung,
· in eigener Verantwortung,
· mit innerer Wahrhaftigkeit
Hilfsmittel für das Erreichen dieser Ziele waren für Hermann Harless die Übung in geistiger und handwerklicher Arbeit, sowie sportliche Ertüchtigung und musische Erziehung. Während nun die handwerkliche Komponente an Gymnasien im Allgemeinen kaum eine wesentliche Rolle spielt, nimmt am Landschulheim Marquartstein die Erziehung zu handwerklicher Tätigkeit schon seit der Gründungszeit der Schule - eine wichtige Stellung ein. Am Staatlichen Landschulheim Marquartstein ist der Werkunterricht in unterschiedlichen Handwerksbereichen seit seiner Gründung als wichtiger Bestandteil der schulischen Ausbildung im Schulalltag integriert, so sind seit Jahren in den Stundenplänen der 5. Klassen 2-stündige Werkkurse in Töpfern, Schreinern, Gärtnern und Elektronik integriert.
Konzept des Pilotprojekts Handwerk am Gymnasium
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- Feinarbeit in der Schreinerei
Unsere Schreiner-Lehrlinge werden ab der 8. Klasse in die Theorie und Praxis des Schreinerhandwerks eingeführt.
An zwei Nachmittagen pro Woche erhalten sie Praxisunterricht in der schuleigenen Schreinerei unter Anleitung unseres Schreinermeisters Michael Huber. Um noch bessere Voraussetzungen für eine professionelle Ausbildung zu ermöglichen, wird unsere Schreinerei in den nächsten Jahren erweitert. Das Kultusministerium hat den entsprechenden Planungsauftrag bereits erteilt.
In zusätzlichen Ferienkursen müssen die Schülerinnen und Schüler in anderen Betrieben oder Ausbildungszentren bestimmte Ausbildungsabschnitte in Form von Blockpraktika absolvieren, z.B. CNC-Technik, Fensterbau, Oberflächenbehandlung usw. Auch die fachtheoretische Ausbildung findet weitgehend an unserer Schule statt. Einige Themenbereiche sind ja bereits in den regulären gymnasialen Lehrplänen enthalten, andere werden dabei an unserer Schule gezielt in den gymnasialen Ausbildungsplan integriert, so dass auch andere Schülerinnen und Schüler mit Themen des beruflichen Alltags in Berührung kommen.
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- Einblick in die Räumlichkeiten der Schreinerei
Die Unterweisung unserer Lehrlinge in den Bereichen, die noch nicht durch den regulären gymnasialen Unterricht abgedeckt sind, findet wöchentlich an einem weiteren Nachmittag statt. Hier werden auch Berufsschullehrer eingesetzt. Auf diese Art wird an allen Ecken Ausbildungszeit "zusammengekratzt", so dass die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler auf eine insgesamt zweijährige Fachausbildung in Theorie und Praxis kommen, die es ihnen dann nach der 11., der 12. oder der 13. Jahrgangsstufe erlaubt, vor der Handwerks-ammer ihre Gesellenprüfung abzulegen.
Das Gesellenstück soll im Rahmen der gymnasialen Facharbeit angefertigt werden. Die Gesellenprüfung erhält ihrer Gültigkeit allerdings erst nach dem bestandenen Abitur, denn die Möglichkeit der Verkürzung der Lehrzeit auf "zwei Jahre" setzt voraus, dass das Abitur auch tatsächlich abgelegt wird.
Weiterentwicklung des Projekts
Wir glauben, dass es sich bei dem beschriebenen Angebot um ein einzigartiges, zukunftsweisendes Projekt für ein staatliches Gymnasium handelt. Die bisherige Resonanz gibt uns recht: Für das nächste Schuljahr haben sich bereits 22 Interessenten für die Schreinerlehre gemeldet - viel mehr als wir nehmen können!
Wir denken auch daran, unser Ausbildungsangebot langfristig auf andere Bereiche - Gärtnerei und Hauswirtschaft - auszuweiten. Dazu wollen wir aber zunächst Erfahrungen mit unserem derzeitigen Projekt sammeln.
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