Ansprache und Gedenken an die Weiße Rose
Am 23. Februar 2026 hat Lisa Schneider, Lehrerin für das Fach Politik und Gesellschaft, gemeinsam mit Bibliothekarin Daniela Herrmann während der Pause die Flugblätter der Weißen Rose auf die Schülerschaft herabfliegen lassen und danach folgende Durchsage gesprochen:
"Stellt euch vor, eure Meinung wäre lebensgefährlich. Kein kritisches Wort im Unterricht, keine ehrliche Nachricht bei WhatsApp. Wer den Mund aufmacht, stirbt.
Gestern vor genau 83 Jahren geschah genau das: In München wurden die Geschwister Scholl und ihr Freund Christoph Probst von den Nazis verurteilt und hingerichtet.
Ihr „Verbrechen“? Sie hatten Flugblätter verteilt, in denen sie den Krieg und die Grausamkeit der Nazis verurteilten.
Christoph war einer von uns – er ging hier zur Schule. Er war erst 23 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei kleinen Kindern. Er hatte nicht einmal eines der Flugblätter verteilt, sondern nur einen Entwurf für ein neues geschrieben. Doch im damaligen Unrechtsstaat gab es keine fairen Verfahren, keine Gnade und keine Menschlichkeit. Nur wenige Stunden nach dem Urteil war er tot.
Warum haben wir gerade in der Pause ihre Flugblätter wieder fliegen lassen?
Damit wir verstehen, was wir heute haben: Meinungsfreiheit, die Chance auf ein faires Gerichtsverfahren. Menschenrechte. Das sind keine langweiligen Begriffe aus dem Schulbuch – sie sind unser Schutzschild. Sie sorgen dafür, dass wir heute laut sein dürfen, ohne Angst zu haben. Dass wir verschieden sein dürfen. Dass jeder Mensch zählt.
Freiheit ist nicht selbstverständlich. Wir müssen sie jeden Tag beschützen – also: schaut hin, hört zu und habt Mut, für Gerechtigkeit einzustehen!"