Wenn Schülerinnen und Schüler den Landtag simulieren
„Sie haben sich ignorant wissenschaftlichen Fakten entgegengestellt, was von einem mangelnden Menschenverstand zeugt!“ – Es sind Sätze wie dieser, die im Plenum bei der Simulation des Bayerischen Landtags am Gymnasium LSH Marquartstein für ordentlich Zündstoff sorgten.
Im Rahmen der letzten Lesung zum Gesetzesentwurf zur Videoüberwachung ging es heiß her. Nach intensiven Ausschuss- und Fraktionssitzungen zeigten sich manche Fraktionen enttäuscht, da sie ihren ursprünglichen Entwurf kaum wiedererkannten. Andere hingegen jubelten, weil es ihnen durch geschicktes Taktieren gelungen war, mehr Vorschläge durchzubringen als anfangs absehbar. Die Debatte begleitete die Teilnehmenden sogar bis in die Pausen.
Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufen schlüpften in die Rolle von Abgeordneten. Dabei mussten sie Überzeugungen vertreten, die ihnen oft fremd waren – eine Aufgabe, die sie mit Bravour meisterten. „Ich habe noch nie so viel diskutiert wie heute. Normalerweise halte ich mich zurück, aber in der Ausschusssitzung musste ich einfach etwas sagen. Das hat mich so aufgeregt – und es war nicht einmal meine eigene politische Meinung“, resümiert eine Schülerin.
Es hieß: streiten, aber nach demokratischen Spielregeln, mitgestalten, etwas zu sagen haben, Kompromisse finden. All das durften unsere Jugendlichen beim Planspiel „Der Landtag sind wir“ am 21.7.2026 hautnah erleben. Das Projekt wurde vom Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) der LMU in Kooperation mit dem Bayerischen Landtag durchgeführt.
Vielleicht ist manch einer nun froh, dass es lediglich ein Spiel war. Sicher ist aber: Das Verständnis für die tägliche Arbeit von Politikerinnen und Politiker ist bei vielen spürbar gewachsen.
Lisa Schneider