Plakatausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“

05. April 2019

2017 jährte sich die Russische Revolution zum 100. Mal, die mit dem Sturz des Zaren im Februar 1917 ihren Ausgang nahm. Die darauf folgende Oktoberrevolution des Jahres 1917 wird allgemein als epochales Ereignis in der Geschichte betrachtet, verhalf sie doch einem völlig neuen gesellschaftlichen System mit sozialistisch-kommunistischer Prägung zum Durchbruch. Die zu Beginn der Russischen Revolution aufkeimende, anfängliche Hoffnung auf eine Demokratisierung Russlands sollte sich im Verlauf der revolutionären Ereignisse nicht erfüllen. Im Verlauf des Jahres 1917 gelang es der Provisorischen Regierung nicht, die Probleme im Lande in den Griff zu bekommen. Russland befand sich zudem noch im Ersten Weltkrieg, sodass die Bolschewiken starken Zulauf bekamen. Nach einem gescheiterten Putschversuch der Bolschewiken im Februar 1917 gelang diesen im Oktober 1917 letztlich unter der Führung Lenins der Umsturz. In Petrograd, dem heutigen Sankt Petersburg, griffen die Bolschewiki nach der Macht. Dieser Putsch, der später zur Oktoberrevolution glorifiziert werden sollte, war die Geburtsstunde des Kommunismus, der zur größten und tiefgreifendsten Massenbewegung des 20. Jahrhunderts wurde. Immerhin konnte sich dieses sozialistisch-kommunistische System fast 70 Jahre in Russland und einigen von ihm abhängigen Ländern halten. Nach der Oktoberrevolution von 1917 hatten sich auf dem ehemaligen Gebiet des Zarenreiches mehrere selbstständige Sowjetrepubliken gebildet, die sich 1922 zur „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ (UdSSR) zusammenschlossen. Nicht zuletzt unter der Federführung der Sowjetunion breitete sich der Kommunismus aus. Es entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Osteuropa von der UdSSR abhängige Satellitenstaaten, in denen totalitäre, kommunistische Regime regierten und der Kommunismus das Leben der Menschen in Unfreiheit und Unterdrückung prägte. In der ganzen Welt bildeten sich Parteien, die als Teil der „Kommunistischen Internationale“ von den Menschen totale Unterordnung verlangten. Sobald eine kommunistische Partei die Macht errungen hatte, mussten sich alle Bürger dem Regiment der Partei unterordnen. Totalitarismus und Diktatur waren und sind grundlegende Merkmale kommunistischer Herrschaften, wie ein Blick in die deutsche Vergangenheit der DDR-Geschichte zeigt. Seit ihrer Gründung am 7. Oktober 1949 beanspruchte die SED den alleinigen politischen Führungsanspruch und zementierte somit die SED-Diktatur, in der dem Volk der DDR Freiheitsrechte verwehrt blieben. Bis heute unterdrückt das kommunistische Regime in Nordkorea sein eigenes Volk.

Der gewaltsam durchgesetzte Totalitarismus bezüglich der Gestaltung aller Lebensbereiche hat zahllose menschliche Existenzen zerstört. Als abschreckendes Beispiel mag hier die stalinistische Gewaltherrschaft in der Sowjetunion dienen. Zunächst richtete sich Stalins Terror gegen Parteifunktionäre und hohe Offiziere, später fielen derartigen „Säuberungen“ auch einfache Bürger als sogenannte „Volksfeinde“ zum Opfer. Missliebige Personen wurden verhaftet, in Gefängnisse oder Arbeitslager eingewiesen oder erschossen. Der in der Sowjetunion von Stalin selbst gelenkte „Große Terror“ der 1930er Jahre zeigt mit Hunderttausenden von Liquidierten und Millionen von Häftlingen die Brutalität der Herrschaftsdurchsetzung des Sowjetkommunismus. Auffallend sind letztlich sogenannte „Säuberungen“, die alle kommunistischen Parteien und Machtapparate auf irgendeine Art und Weise durchmachten und sich in Schauprozessen und Denunziationen äußerten. Terror und Unterdrückung gehörte und gehört noch heute in kommunistischen Staaten zu einem wesentlichen Mittel staatlicher Politik. Als wohl abschreckendstes Beispiel der Gegenwart vermag die kommunistische Diktatur in Nordkorea dienen.

  1. kam aber trotz jahrzehntelanger rigider und totalitärer Herrschaft der jähe Kollaps des „Sozialistischen Lagers“ und der UdSSR nach 1989. 1989/90 erfolgte unter dem frischen, politischen, reformerischen Wind von Gorbatschows „Glasnost“ und „Perestroika“ der Zusammenbruch des von der Sowjetunion dominierten Ostblocks und zum Jahreswechsel 1991/92 wurde die rote Sowjetfahne auf dem Kreml eingeholt. Zuvor war die Sowjetunion am 26. Dezember 1991 formell aufgelöst worden.

Wenngleich der Kommunismus seit dieser Zeit in Europa überwunden scheint, stellt das bis heute kommunistische China ein interessantes Phänomen dar. Der Machtkampf in China zwischen der Militärdiktatur unter General Chian Kaishek und der Kommunistischen Partei Chinas unter Mao Zedong endete schließlich, nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg 1945, mit dem von den Kommunisten gewonnenen Bürgerkrieg mit der Gründung der kommunistischen Volksrepublik China am 1. November 1949. Seitdem ist China kommunistisch und unter der ungebrochenen Herrschaft der Kommunistischen Partei und das trotz der Überwindung des Kommunismus in Europa. China schickt sich heute unter der Diktatur der Kommunistischen Partei an, ein Motor der globalen Weltwirtschaft zu sein und ist ein wichtiger Faktor in der Weltpolitik.

Der Aufstieg und Fall des Kommunismus in Europa und in weiten Teilen der Welt auf der einen Seite sowie die ungebrochene Herrschaft des Kommunismus in China, aber auch in Nordkorea, lassen die historische Entwicklung des Weltkommunismus seit 1917 umso interessanter und paradoxer erscheinen.

Die Ausstellung präsentiert über 200 zeithistorische Fotos, Dokumente, Schaubilder sowie QR-Codes, mit denen man mit internetfähigen Mobiltelefonen zusätzlich Filmdokumente zu den Ausstellungsthemen abrufen kann. Die verschiedenen Ausstellungstafeln befassen sich u.a. mit dem Kommunismus als Weltbewegung, der Russischen Revolution, der Kommunistischen Internationale, der „Kollektivierung und Industrialisierung“ sowie dem „Großen Terror“ und dem „Traum einer finalen Säuberung“ in der UdSSR, „Führerkulten“ in kommunistischen Regimen, dem Thema Faschismus und Antifaschismus, der Geburt des sozialistischen Weltlagers, der Ausbreitung des Kommunismus in Asien, antikolonialen Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt, dem Atheismus als Credo des Kommunismus, dem sozialistischen Alltag, dem kommunistischen Militarismus, der Überwindung des Kommunismus in Europa sowie der Revolution und Restauration des Kommunismus bis hin zum Postkommunismus.

 

 

 

Die Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ ist in der Zeit vom 18. März -6. April 2019 im Kulturraum (S. 01) des Staatlichen Landschulheims Marquartstein zu sehen. Die Ausstellung ist für alle Interessierten offen zugänglich. Im Namen der Schule würde ich mich sehr auf einen regen Besuch freuen.

Öffnungszeiten:

Montag, 18. März – Donnerstag, 21. März 2019: 8.00 – 18. 00 Uhr

Freitag, 22. März. 2019: 8. 00 – 13. 00 Uhr

Montag, 25. März – Donnerstag, 28. März 2019: 8. 00 – 18. 00 Uhr

Freitag, 29. März 2019: 8. 00 Uhr – 13. 00 Uhr

Montag, 1. April – Donnerstag, 4. April 2019: 8. 00 Uhr – 18. 00 Uhr

Freitag, 5. April 2019: 8. 00 Uhr – 13. 00 Uhr

Samstag (Tag der Offenen Türe), 6. April 2019: 9. 00 – 13. 00 Uhr

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Markus Landsherr, Fachbetreuer für Geschichte