Letzte Aufführung des Oberstufentheaters: Georg Heinzen "Sale"

28. März 2019

Die Neumanns sind wahrscheinlich keine Familie, wie sie im Bilderbuch steht. Die rebellische Tochter Lisa (Kassidy Bogdan) spricht schon lange nicht mehr mit ihrem arbeitslosen Vater (Patrick Schartl) und seiner behinderten Schwester (Johanna Dachs). Da kann ihre Mutter (Kate Westermaier), die als Supermarktverkäuferin die Familie über Wasser hält, noch so viel Kuchen backen.

Doch von einem Tag auf den anderen wird Deutschland – auf Grund der zu hohen Staatsverschuldung – an ein internationales Bankenkonsortium verkauft, alles wird stückchenweise verscherbelt, darunter auch Familie Neumann. Zwar meint die Tochter, dass eine Schrottfamilie wie die ihre ohnehin niemand kaufen würde, doch darin täuscht sie sich, schließlich stehen plötzlich nicht nur zwei Banker (Sophie Häusler und Leander Gräf) sondern auch ein kinderloses, luxusliebendes Yuppiepärchen (Robina Böhl und Jonas Rubeck) in der Küche der Neumanns. Denn der neureiche Robert hat Familie Neumann als Hochzeitsgeschenk für seine Frau Marie gekauft, obwohl sie viel lieber einen Hund gehabt hätte. Im Kleingedruckten des Kaufvertrages findet nicht nur Robert so manche Überraschung, so dass er sehr schnell überlegt, ob sein Geschenk nicht eher ein Schuss nach hinten war.

Georg Heinzen hat mit »Sale« eine Dystopie geschrieben, in der die Marktbewertung des Menschen auf die Spitze getrieben wird. Die Verrohung der Gesellschaft nimmt ihren Lauf, spätestens als die Besitzverhältnisse von Neumanns Nachbarn (Andreas Plank und Isabell Blum-Friedl) nicht sauber auszumachen sind. Und was sucht eigentlich der Freund von Tochter Lisa, das Kind einer anonymen Samenspende RP (Lukas Entfellner) im Haus der Neumanns? Die unterhaltsame wie auch verstörnende Komödie des österreichischen Schriftstellers Georg Heinzen wurde 2013 in Salzburg uraufgeführt. „Sale“ ist Heinzens erstes Theaterstück, das gleichnamige Hörspiel ist preisgekrönt. Die Theaterfassung hat auf deutschen Bühnen noch nicht Fuß gefasst, Aufführungen von „Sale“ sind bislang selten. Umso mehr lohnt es sich, die Aufführung der Elft- und Zwölftklässler im Festsaal des LSH Marquartstein zu besuchen. Für die technische Umsetzung zeichnen Justin Bülow und Martin Thoma verantwortlich, Reservierungen können über das Sekretariat der Schule (08641-6240) vorgenommen werden. Der Eintritt ist frei.