Evangelische Religionslehre

Fachprofil: Evangelische Religionslehre

Selbstverständnis des Faches:

Wesentliche Themen und Inhalte des Faches Evangelische Religionslehre kann man anhand von sieben grundlegenden Fragen nachvollziehen, die über die acht bzw. neun Jahre im Unterricht immer wieder vorkommen.

  1. Wer bin ich?

Der Religionsunterricht will die Schülerinnen und Schüler ermutigen, ihre Persönlichkeit zu festigen, eine Vorstellung davon zu gewinnen, wie sie ihr Leben gestalten wollen, und sich eine eigene Meinung zu religiösen und weltanschaulichen Fragen zu bilden. Auch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Menschenbildern und typisch menschlichen Erfahrungen und Grenzsituationen soll einen Beitrag dazu leisten.

  1. Was glaube ich?

Um darauf eine Antwort zu entwickeln, befasst sich der RU mit biblischen Texten, die in ihrem geschichtlichen Zusammenhang gesehen werden. Die Auseinandersetzung mit Glaubensvorstellungen verschiedener Persönlichkeiten und unterschiedlicher Religionen, in der Oberstufe auch mit Religionskritik und Atheismus, unterstützt es, eine Antwort auf diese Frage zu finden.

  1. Darf ich alles, was ich kann?

Ethische Fragen bilden ein zentrales Element des RU und kommen immer wieder vor. Insbesondere geht es darum, über den Umgang mit Mitmenschen, aber auch mit Tieren und der Natur nachzudenken. Die Bandbreite reicht vom Umgang mit Streit und Konflikten in der Unterstufe, über die Frage, inwieweit Schwangerschaftsabbruch oder Sterbehilfe vertretbar sind, in der 10. Jahrgangsstufe, bis hin zur Wirtschafts- und Sozialethik in der Oberstufe. Diese Fragen werden nicht nur aus biblischer Perspektive beleuchtet, sondern (v.a. in höheren Klassen) auch aus der Sicht philosophischer Ethik.

  1. Wie gelingt Gemeinschaft?

Jede und jeder strebt nach Gemeinschaft und ist auf Gemeinschaft angewiesen. Der RU will die Kinder und Jugendlichen sensibilisieren, Mitschülerinnen und -schüler und Mitmenschen wahrzunehmen; er will anregen, darüber nachzudenken, wie menschliche Gemeinschaft gestaltet werden kann.

  1. Kann mein Leben Tiefe gewinnen?

Menschsein bedeutet mehr als Leistung und Konsum. Auch die ökumenischen Schulgottesdienste und die ebenfalls ökumenischen Orientierungstage für die 9. Klassen wollen Anregungen zur Beantwortung dieser Fragen bieten.

  1. Was glauben die anderen?

Die Begegnung mit unterschiedlichen Glaubens- und Lebensvorstellungen, mit anderen Religionen wollen dazu beitragen, anderen Menschen mit Respekt und Toleranz zu begegnen. Hier geht es um Kenntnisse und Werte, die in der globalisierten Welt wichtige Bedeutung haben. Es gibt aber auch Formen des Glaubens, die problematisch erscheinen:  z.B. Fundamentalismus und „Sekten“ oder auch Irrtümer im Verlauf der Kirchengeschichte. Auch die Auseinandersetzung mit solchen Erscheinungen soll Orientierung geben.

  1. Wie wird die Zukunft?

Angesichts des sich verschärfenden Klimawandels, des Umgangs mit Ressourcen und angesichts von Kriegen stellt sich die Frage, wie wir eine lebenswerte Zukunft gestalten können. Auch dazu möchte der RU Impulse geben.

 

Anliegen im Evangelischen Religionsunterricht ist es dabei nie, den Schülerinnen und Schülern vorgefertigte Standpunkte nahezubringen, sondern immer, sie zu eigenständigem Denken anzuregen und sie darin zu fördern, ihr Gewissen zu entwickeln.

Das Fach wird in allen Jahrgangsstufen zweistündig unterrichtet. Es kann im Abitur als drittes schriftliches oder als mündliches Prüfungsfach (Kolloquium) gewählt werden.

In den Unterrichtsbüchern werden von der 5. Jahrgangsstufe an systematisch eine Vielzahl an Methoden erarbeitet: Mindmap, Bildbeschreibung und -deutung, Plakat gestalten, Diskussion, Rollenspiel, Internetrecherche u.a.

Außerunterrichtlich bieten die Fachschaften katholische und evangelische Religionslehre ökumenische Schulgottesdienste am Schuljahresanfang, in der Adventszeit und am Schuljahresende an. Ebenso ökumenisch finden die dreitägigen Orientierungstage für die 9. Klassen in einer Unterkunft in der näheren Umgebung statt. In dieser Jahrgangsstufe findet auch nach Möglichkeit der Besuch einer Synagoge und einer Moschee statt.